Bezahltechnik
Executive-Protokoll
Begriff aus dem Vending-Glossar
Serielles Kommunikationsprotokoll zwischen Automat und Peripherie (Münzprüfer, Kartenterminal), Anfang der 1980er von Mars Electronics International (MEI) entwickelt. In Italien, Frankreich und Spanien bis heute der dominante Standard; bei Modernisierung des Cashless-Angebots führt der Weg meist über die Migration auf MDB.
Herkunft und Funktionsweise
Das Executive-Protokoll (kurz „EXE") wurde Anfang der 1980er-Jahre von Mars Electronics International (MEI) als eines der ersten seriellen Protokolle für elektronisch gesteuerte Automaten entwickelt – dokumentiert zunächst als proprietäres „Protocol A" auf Basis einer seriellen 20-mA-Stromschnittstelle, ursprünglich zur Anbindung von Wechselgeldgebern, später erweitert um Cashless-Terminals. Charakteristisch ist die Aufgabenteilung: Bei EXE liegen Verkaufslogik und Preise im Automaten bzw. im Wechselgeldgeber selbst, während MDB, Anfang der 1990er von Coin Co entwickelt und 1994 von der NAMA als offener Standard übernommen, diese Kontrolle stärker beim Bezahlterminal ansiedelt. In der Branche wird das bei EXE auch als „Price Holding" bezeichnet.
Verbreitung in Europa
Während sich MDB in den meisten europäischen Märkten durchgesetzt hat, halten die größten Vending-Märkte Italiens, Frankreichs und Spaniens bis heute überwiegend an Executive fest – laut Branchenangaben liegt der Anteil EXE-gesteuerter Automaten in diesen drei Ländern bei rund 90 Prozent. Ein Grund sind lokale steuerliche Anforderungen: EXE erlaubt es, vollständige Auditberichte direkt aus dem übergeordneten System (Wechselgeldgeber oder Master) auszulesen, was für die Kassennachweispflicht in einigen Ländern praktischer ist als der Weg über das Automatenhauptboard bei MDB. Für die reine Absatz- und Bestandstelemetrie ist das jedoch weitgehend unabhängig von EXE oder MDB, da Auslesungen über DEX/EVA-DTS bei beiden Protokollfamilien parallel möglich sind.
Grenzen im Betrieb
Der Ansatz stößt an Grenzen, sobald mehr als der einfache Verkauf gefragt ist: mehrere Preisstufen je Produktgruppe, differenzierte Rabatte für Mitarbeiterkarten oder automatische Rückbuchung bei Störung lassen sich mit MDB deutlich einfacher abbilden, weil dort die Bezahlperipherie direkter mit dem Automaten verhandelt. Bestandsflotten mit EXE laufen zuverlässig, aber wer sein Cashless-Angebot modernisieren oder Telemetrie- und DEX-Auswertung flächendeckend vereinheitlichen will, kommt an einer Migration auf MDB – meist über einen MDB/EXE-Konverter als Zwischenschritt – kaum vorbei.
Praktische Konsequenz für Betreiber
Bei der Beschaffung neuer Cashless-Terminals lohnt sich die vorherige Prüfung, ob der Automat MDB oder Executive spricht: Reine EXE-Terminals werden von aktuellen Herstellern kaum noch neu aufgelegt, und viele Anbieter cashless-fähiger Kartenterminals unterstützen EXE nur noch über Adapterlösungen. Für international aufgestellte Betreiber mit Standorten in mehreren europäischen Ländern bedeutet das häufig, zwei Protokollwelten parallel im Flottenmanagement abzubilden.