Grundlagen & Erste Schritte
MDB 4.3, EPS v2, EVA-DTS erklärt: Welche Standards braucht dein Automat wirklich?
KI ModifiedInhalt
- Was ist Multi-Drop Bus (MDB)?
- MDB Version 4.3: Nur Section 7, aber entscheidend
- EVA-DTS 6.2.2: Verkaufsdaten standardisiert übertragen
- EPS v2: Kontaktloses Bezahlen nach europäischer Norm
- EPS v2.1 und die Compliance-Zertifizierung
- BDV001: Der deutsche Ergänzungsstandard
- Welche Standards brauche ich wirklich? Drei Szenarien
- Szenario 1: Kleinbetrieb, 1 bis 10 Automaten
- Szenario 2: Mittelbetrieb, 11 bis 50 Automaten
- Szenario 3: Großbetrieb, mehr als 50 Automaten
- Wo die Dokumente kostenlos verfügbar sind
- Checkliste: Standardkonformität in 7 Schritten
85 Prozent des europäischen Automatenbestands waren 2024 bargeldlos ausgestattet, gegenüber 58 Prozent im Jahr 2019, so der EVA Market Report 2025. Dieser Sprung von 27 Prozentpunkten in fünf Jahren hat einen technischen Unterbau: drei Protokolle, die bestimmen, ob ein Terminal an einem Automaten funktioniert, ob Verkaufsdaten automatisch ins Backoffice fließen und ob ein Betreiber in einer öffentlichen Ausschreibung teilnehmen kann. Wer heute ein Bezahlterminal nachrüstet, einen neuen Automaten kauft oder ein Telemetrie-System einführt, begegnet den Abkürzungen MDB 4.3, EVA-DTS 6.2.2 und EPS v2 in Lastenheften und Lieferantenverträgen.
Dieser Ratgeber erklärt, was jedes Protokoll regelt, welche Version aktuell verbindlich ist, wo die Dokumente kostenlos erhältlich sind und welche Kombination für unterschiedliche Betreibergrößen passt. Für Betreiber mit weniger als zehn Geräten reicht MDB 4.3 plus ein EPS-zertifiziertes Terminal. Ab 20 Geräten rechnet sich EVA-DTS für die automatisierte Bestandsmeldung. Ab 50 Geräten wird BDV001 relevant, wenn Standorte in Deutschland ausgeschrieben werden.
Letzte Aktualisierung: 2026-09-24.
Was ist Multi-Drop Bus (MDB)?
Der Multi-Drop Bus entstand zwischen 1988 und 1992 als proprietäres Protokoll der US-amerikanischen CoinCo Corporation. Ab 1992 wurde er als offener Standard freigegeben; 1995 übernahm die National Automatic Merchandising Association (NAMA) die Pflege. Seither gilt MDB als Defacto-Weltstandard für die interne Kommunikation von Warenautomaten.
Das Protokoll arbeitet mit 9.600 Baud über einen 9-Bit-UART. Die Busspannung liegt nominell bei 34 VDC, im zulässigen Bereich 20 bis 42,5 Volt, in der Praxis oft 24 Volt. Der physische Anschluss verwendet einen 6-poligen Stecker. Über diesen Bus kommuniziert der Automatencontroller (VMC) mit bis zu neun Geräteklassen: Münzwechsler, Banknotenprüfer, primäres und sekundäres Cashless-Device, Display, Energiemanagementsystem, Coin Hopper und Age-Verification-Device.
Weil kein Hersteller den Bus neu erfindet, können Betreiber Komponenten unterschiedlicher Hersteller kombinieren. Das setzt voraus, dass alle Geräte dieselbe MDB-Version implementieren. Die Spezifikation ist als kostenloser Download auf namanow.org verfügbar, ohne Registrierung.
MDB Version 4.3: Nur Section 7, aber entscheidend
Version 4.2 erschien 2011. Acht Jahre später veröffentlichte NAMA am 22. August 2019 Version 4.3, laut Vending Times die erste Revision seit acht Jahren. Die Änderungen sind eng begrenzt: Ausschließlich Section 7 (Cashless Devices) wurde überarbeitet; alle anderen Abschnitte sind identisch mit v4.2.
Section 7 in Version 4.3 definiert, wie EMV-Level-3-zertifizierte kontaktlose Bezahlterminals über den Bus kommunizieren und wie NFC-Transaktionen abgewickelt werden. Ein Terminal nach EPS v2 muss MDB 4.3 Section 7 implementieren, um mit dem Automaten kompatibel zu sein. Ältere Terminals nach MDB 4.2 unterstützen keine Mobile-Wallet-Transaktionen über den Bus (ergibt sich aus dem Änderungsumfang von Section 7; nicht unabhängig als vollständige Sperrung bestätigt).
Das 15-köpfige NAMA-Komitee, das MDB 4.3 erarbeitete, umfasste neben US-amerikanischen Unternehmen auch einen EVA-Vertreter: Vladimir Lopatin von der Uvenco Group. Vorsitz führten Bob Ross (Ellenby Technologies) und Scott Hudis (Fawn Engineering). Die internationale Zusammensetzung sichert, dass MDB 4.3 ausdrücklich auch für den europäischen Markt gilt.
Praktische Konsequenz: Wer heute ein neues Bezahlterminal kauft, sollte schriftlich bestätigen lassen, dass das Terminal MDB 4.3 Section 7 implementiert. Version-Mismatch zwischen Terminal und Automat ist die häufigste Ursache für Inkompatibilitäten bei Nachrüstungen.
EVA-DTS 6.2.2: Verkaufsdaten standardisiert übertragen
DTS steht für Data Transfer Standard. Die European Vending & Coffee Service Association (EVA) gibt diesen Standard heraus und definiert, in welchem Format ein Automat Verkaufsdaten an das Backoffice-System des Betreibers überträgt: Einzel-Vends, Füllstände, Betriebsereignisse, Fehlercodes. Version 6.2.1 erschien am 17. Juli 2018, Version 6.2.2 am 9. Januar 2019. Beide sind im Einsatz; 6.2.2 ist die Referenz für neue Implementierungen.

EVA-DTS enthält außerdem eine herstellerspezifische Code-Liste, die dem Backoffice-System mitteilt, um welchen Automatentyp es sich handelt. Das erlaubt, gemischte Flotten unterschiedlicher Hersteller in einem einzigen Verwaltungssystem zu betreiben.
Ohne DTS: Ein Techniker öffnet den Automaten, liest Zähler ab, überträgt Werte manuell ins Backoffice-System. Bei 20 Geräten mit wöchentlichem Besuch und 15 Minuten Aufwand je Gerät für Ablesung und Eingabe (Richtwert) ergibt sich ein Wocheneinsatz von 5 Stunden allein für die Datenerfassung. Hochgerechnet auf 50 Arbeitswochen: 250 Stunden jährlich (20 × 15 Min × 50 Wochen / 60) für eine Aufgabe, die DTS-Telemetrie automatisiert.
Mit DTS: Daten fließen über eine Telemetrie-Einheit (GPRS, LTE oder kabelgebunden) automatisch ins Backoffice-System. Der Techniker fährt zum Befüllen, nicht zum Ablesen.
Der BDV listet EVA-DTS 6.2.2 als Empfehlung für deutsche Betreiber, die Telemetriesysteme einsetzen. Der Download steht nach kostenloser Registrierung auf vending-europe.eu für EVA-Mitglieder und Mitglieder nationaler Verbände wie dem BDV bereit.
EPS v2: Kontaktloses Bezahlen nach europäischer Norm
EPS steht für Electronic Payment Specification. Bevor die EVA diesen Standard einführte, verwendeten Terminalhersteller proprietäre Protokolle: Ein Terminal von Anbieter A funktionierte an einem Automaten von Hersteller B ohne spezifische Anpassungen nicht. Die EVA veröffentlichte Version 2 im Februar 2020 als erste vollständige Spezifikation für moderne kontaktlose Zahlung am Automaten. Im November 2022 folgte Version 2.1.
EPS v2 gliedert sich in zwei Volumes. Volume 1 regelt mechanische Anforderungen: Einbaumaße, Ausschnittsdimensionen, Kabelführung und Toleranzen. Volume 2 regelt die Kommunikationsprotokolle: wie Terminal und VMC über MDB 4.3 Section 7 miteinander sprechen, welche Transaktionsnachrichten definiert sind und wie Fehlerzustände behandelt werden.
Abgedeckte Zahlmethoden laut EVA-Pressemitteilung: NFC (kontaktlose Karte), Mobile Wallets (Apple Pay, Google Pay und vergleichbare Dienste), Kontaktkarte (EMV) und App-basierte Zahlung.
Ein nach EPS v2 zertifiziertes Terminal kann an jedem MDB-4.3-kompatiblen Automaten eingesetzt werden, unabhängig vom Automatenhersteller. Proprietäre Terminals binden den Betreiber an einen einzigen Zahlungsabwickler und erschweren die spätere Migration. 65 Prozent der 2024 in Europa eingesetzten bargeldlosen Systeme nutzen Open-Site-Zahlmethoden (Karte, Mobil, Pay-by-App), so der EVA Market Report 2025. Ein EPS-konformes Terminal ist die technische Voraussetzung für diesen Kanal.
EPS v2.1 und die Compliance-Zertifizierung
Ab v2.1 ist die Compliance-Zertifizierung an eine Mitgliedschaft in der EVA oder einem nationalen Verband geknüpft. Wer ein Terminal in einer Ausschreibung als EPS v2.1-konform ausweisen möchte, beantragt den Zertifizierungsprozess über die EVA oder den BDV. Das Self-Certification Register der EVA listet alle geprüften Terminals öffentlich und ist ohne Registrierung einsehbar.
BDV001: Der deutsche Ergänzungsstandard
Der Bundesverband der Deutschen Vending-Automatenwirtschaft (BDV) hat mit BDV001 eine eigene Branchenspezifikation herausgegeben. BDV001 ergänzt EVA-Standards um Anforderungen, die spezifisch für den deutschen Markt gelten: datenschutzrechtliche Anforderungen nach DSGVO, branchenspezifische Interoperabilitätsregeln und Anforderungen aus Betriebsvereinbarungen in Unternehmensstandorten.
BDV001 ersetzt EVA-DTS, EPS und MDB nicht. Betreiber, die Geräte in deutschen Unternehmensumgebungen aufstellen oder an öffentlichen Ausschreibungen in Deutschland teilnehmen, sollten BDV001 als Zusatzdokument einplanen. Das Dokument ist über den BDV direkt abrufbar.

Welche Standards brauche ich wirklich? Drei Szenarien
Szenario 1: Kleinbetrieb, 1 bis 10 Automaten
Mindestens erforderlich: MDB 4.3 für jeden neuen Automaten und jedes neue Terminal. EPS v2, wenn kontaktlose Zahlung angeboten werden soll. EVA-DTS ist bei dieser Gerätezahl optional: Der Aufwand für manuelle Ablesung liegt bei unter zwei Stunden pro Woche, was die Investition in ein DTS-Telemetrie-System noch nicht rechtfertigt.
Erster Schritt: MDB-Version beim Automatenhersteller schriftlich bestätigen lassen, bevor ein Terminal bestellt wird. Section 7 in Version 4.3 ist der kritische Prüfpunkt für Mobile-Wallet-Kompatibilität.
Szenario 2: Mittelbetrieb, 11 bis 50 Automaten
Erforderlich: MDB 4.3, EPS v2, EVA-DTS 6.2.2. Mit 20 oder mehr Geräten, die wöchentlich besucht werden, beläuft sich der Aufwand für manuelle Zählerablesung auf rund 250 Stunden jährlich (20 Geräte × 15 Min/Besuch × 50 Wochen, Richtwert). DTS-Telemetrie automatisiert diese Aufgabe vollständig. Gleichzeitig verbessert DTS die Dispositionsgenauigkeit: Fehlbefüllungen und unnötige Leerfahrten reduzieren sich auf Basis realer Abverkaufsdaten.
Empfehlung: Bei Neuanschaffungen ausschließlich DTS-6.2.2-zertifizierte Telemetrie-Einheiten kaufen. Bestehende Altgeräte ohne DTS schrittweise nachrüsten, wenn ohnehin Wartungsarbeiten anfallen.
Szenario 3: Großbetrieb, mehr als 50 Automaten
Vollständiger Stack: MDB 4.3, EPS v2.1 (Compliance-Nachweis über EVA-Self-Certification-Register erforderlich), EVA-DTS 6.2.2, BDV001 für DACH-Standorte. Öffentliche Ausschreibungen und Konzernlastenheften verlangen zunehmend den Nachweis der EPS-Compliance. Wer diesen Nachweis nicht erbringen kann, scheidet in der Angebotsphase aus.
EVA- oder BDV-Mitgliedschaft ist ab diesem Maßstab für den Compliance-Zugang praktisch obligatorisch.
Wo die Dokumente kostenlos verfügbar sind
| Standard | Herausgeber | Zugang |
|---|---|---|
| MDB 4.3 | NAMA | Kostenloser Download ohne Registrierung auf namanow.org |
| EVA-DTS 6.2.2 | EVA | Kostenlos nach Registrierung auf vending-europe.eu (EVA- oder BDV-Mitglieder) |
| EPS v2 / v2.1 | EVA | Kostenlos nach Registrierung; Compliance-Zertifizierung ab v2.1 nur für Mitglieder |
| BDV001 | BDV | Direkt beim BDV auf bdv-vending.de anfordern |
Ein Einstieg ohne Verbandsmitgliedschaft ist möglich: MDB 4.3 reicht für die technische Grundimplementierung, der Download erfolgt ohne Hürde. Für EVA-DTS und EPS v2 genügt die kostenlose Registrierung auf vending-europe.eu. Nur die EPS-Compliance-Zertifizierung ab v2.1 setzt eine aktive Mitgliedschaft voraus.
Checkliste: Standardkonformität in 7 Schritten
Diese Checkliste eignet sich für Betreiber, die einen neuen Automaten kaufen, ein Terminal nachrüsten oder ein Telemetrie-System einführen.
- [ ] MDB-Version prüfen: MDB-Version des Automatenherstellers schriftlich bestätigen lassen. Section 7 in Version 4.3 ist der kritische Prüfpunkt für Mobile-Wallet-Zahlung.
- [ ] EPS-Zertifizierung prüfen: Bezahlterminal auf EPS v2 (Minimum) oder EPS v2.1 (Ausschreibungen) prüfen. EVA Self-Certification Register auf Terminal-Eintrag überprüfen.
- [ ] MDB-Spezifikation herunterladen: MDB-4.3-Volltext von namanow.org herunterladen und mit dem Lastenheft des Terminalherstellers abgleichen.
- [ ] Backoffice-Kompatibilität prüfen (ab 20 Geräten): Backoffice-System auf EVA-DTS-6.2.2-Kompatibilität prüfen. Telemetrie-Anbieter nach Zertifizierungsdokument fragen.
- [ ] EVA-Dokumente herunterladen: EVA-DTS 6.2.2 und EPS v2 nach kostenloser Registrierung auf vending-europe.eu herunterladen.
- [ ] BDV001 anfordern (DACH-Standorte): BDV001-Anforderungen direkt beim BDV auf bdv-vending.de anfordern.
- [ ] Compliance-Nachweis einholen (Ausschreibungen): EPS-Compliance-Nachweis über EVA oder BDV beantragen; Eintrag im Self-Certification Register prüfen.
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