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Bezahltechnik

MDB

Begriff aus dem Vending-Glossar

Multi-Drop Bus — der seit den 1990er-Jahren etablierte serielle Standardbus zwischen Automatensteuerung und Peripherie wie Münzwechsler, Banknotenleser oder Kartenterminal, gepflegt von der NAMA. Ermöglicht die herstellerunabhängige Kombination von Automat und Zahlungstechnik.

Wie MDB funktioniert

MDB ist ein serieller Bus mit fester Übertragungsrate von 9.600 Baud, auf dem die Automatensteuerung (Vending Machine Controller, VMC) als Master bis zu 32 adressierbare Peripheriegeräte als Slaves abfragt — Münzwechsler, Banknotenleser, Kartenterminal, Schlosssteuerung, Etikettendrucker und mehr. Das Protokoll nutzt ein 9-Bit-UART-Rahmenformat (8 Datenbits plus ein Modus-Bit), um Adress- von Datenbytes zu unterscheiden. Jede Geräteklasse besitzt eine feste, standardisierte Busadresse, sodass keine dynamische Enumeration nötig ist — ein Münzwechsler meldet sich immer unter derselben Adresse, unabhängig vom Hersteller.

Physisch ist MDB eine einzige verdrillte Zweidrahtleitung, an die alle Peripheriegeräte parallel angeschlossen werden — daher der Name Multi-Drop. Das reduziert den Verkabelungsaufwand gegenüber Punkt-zu-Punkt-Verbindungen erheblich und war einer der praktischen Gründe für die schnelle Verbreitung in den 1990er-Jahren.

Geschichte

MDB war ursprünglich ein proprietäres Protokoll des Münzwechsler-Herstellers CoinCo aus den späten 1980er-Jahren. Coca-Cola verlangte 1992 die Öffnung als herstellerunabhängigen Standard, um Wettbewerb bei Peripheriegeräten zu ermöglichen; 1995 veröffentlichte die NAMA (National Automatic Merchandising Association, der US-Branchenverband der Automatenwirtschaft) die erste offizielle Fassung. Seither pflegt NAMA das Protokoll, mit laufenden Beiträgen der europäischen EVA (European Vending Association) — MDB gilt heute faktisch als gemeinsamer US-europäischer Standard, obwohl formal weiterhin im Besitz von NAMA.

Bedeutung für Betreiber

MDB macht Automaten und Zahlungsperipherie herstellerunabhängig kombinierbar: Ein Kartenterminal von Anbieter A funktioniert an einer Steuerung von Hersteller B, solange beide dieselbe MDB-Version sprechen. Genau das ist der Haken bei Nachrüstungen — die Versionsfrage entscheidet über den Funktionsumfang. Ältere Steuerungen mit MDB 1.x/2.x/3.x nehmen ein modernes Terminal elektrisch zwar an, verstehen aber die erweiterten Cashless-Befehle der aktuellen Version MDB 4.3 nicht. Vor jeder Kalkulation einer Zahlungssystem-Nachrüstung gehört deshalb ein Blick in das Firmware-Datenblatt der vorhandenen Steuerung. Wichtig für die Abgrenzung: MDB regelt ausschließlich die Kommunikation innerhalb des Automaten zwischen Steuerung und Peripherie — für die Übertragung von Verkaufs- und Bestandsdaten an externe Kassen- oder Telemetriesysteme kommen separate Standards wie DEX oder EVA-DTS zum Einsatz, die parallel dazu existieren.

Technisch ist MDB damit ein Protokoll aus den 1990ern, das nach heutigen Maßstäben langsam ist — die feste 9.600-Baud-Rate limitiert, wie viele Statusmeldungen pro Sekunde zwischen Steuerung und Peripherie laufen können. Ersetzt wurde es dennoch nicht: Der riesige installierte Bestand an MDB-fähigen Automaten und Peripheriegeräten macht einen Wechsel auf ein neueres Bussystem wirtschaftlich unattraktiv, solange inkrementelle Revisionen wie MDB 4.3 die eigentlich gefragten Cashless-Funktionen nachliefern können.

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Quellen & Weiterführendes

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