Compliance
Lieferkettensorgfaltspflichtengesetz (LkSG) – Compliance für Vending-Operator
Begriff aus dem Vending-Glossar
Das Lieferkettensorgfaltspflichtengesetz (LkSG) verpflichtet Unternehmen ab 1.000 Mitarbeitenden (seit 1. Januar 2024) dazu, Menschenrechts- und Umweltrisiken entlang ihrer Lieferkette zu identifizieren, zu bewerten und zu dokumentieren. Eine Gesetzesnovelle zur Entschärfung – unter anderem Wegfall der jährlichen Berichtspflicht – befand sich Stand September 2026 im Bundestag in der Ausschussberatung; für Vending-Operator ist das Gesetz meist nur mittelbar über Lieferantenfragebögen von Röstereien und Großhändlern relevant.
Wer ist betroffen?
Das LkSG trat am 1. Januar 2023 in Kraft. Im ersten Jahr galten die Pflichten für Unternehmen mit mindestens 3.000 Mitarbeitenden in Deutschland; seit dem 1. Januar 2024 gilt der abgesenkte Schwellenwert von 1.000 Mitarbeitenden. Kleine und mittlere Vending-Operator fallen damit nicht direkt unter das Gesetz. Mittelbar sind sie jedoch betroffen: Kaffeeröster, Snackhersteller und Getränkegroßhändler, die selbst dem LkSG unterliegen, reichen ihre Dokumentationspflichten über Lieferantenfragebögen in die nachgelagerte Handelsstufe weiter.
Rohstoffrisiken im Vending
Kaffeebohnen aus Äthiopien und Kolumbien, Kakao aus Côte d'Ivoire, Tee aus Sri Lanka: typische Vending-Rohstoffe stammen aus Regionen, in denen Kinderarbeit, Niedriglohn und fehlende Arbeitsschutzstandards als erhöhtes Risiko gelten. Betroffene Unternehmen müssen jährlich eine Risikoanalyse erstellen und bei identifizierten Verstößen Abhilfemaßnahmen dokumentieren. Zuständige Aufsichtsbehörde ist das Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (BAFA).
Bußgelder und Vergabeausschluss
Der reguläre Bußgeldrahmen nach § 24 Abs. 2 LkSG liegt je nach Schwere des Verstoßes bei bis zu 100.000, 500.000 oder 800.000 Euro. Bei Unternehmen mit mehr als 400 Mio. Euro Jahresumsatz kann das Bußgeld nach § 24 Abs. 3 LkSG stattdessen bis zu 2 % des weltweiten Jahresumsatzes betragen – dieser Prozentsatz übersteigt die Festbeträge bei Großunternehmen deutlich und ist dort der eigentliche Hebel. Zusätzlich droht ein Ausschluss von der Vergabe öffentlicher Aufträge für bis zu drei Jahre (§ 22 LkSG), abhängig von der Bußgeldhöhe.
Gesetzesnovelle 2025/2026: Entschärfung in Arbeit
Das LkSG selbst steht seit 2025 zur Disposition. Das Bundeskabinett beschloss am 3. September 2025 einen Entwurf zur Novellierung; der Bundestag beriet ihn am 16. Januar 2026 in erster Lesung (BT-Drs. 21/2474) und überwies ihn zur weiteren Beratung an den Ausschuss für Arbeit und Soziales. Ein Datum für die abschließende Lesung und das Inkrafttreten lag Stand September 2026 noch nicht vor. Kernpunkt der geplanten Novelle: Die jährliche Berichtspflicht soll vollständig entfallen, auch rückwirkend; Bußgelder sollen künftig nur noch bei schweren Pflichtverletzungen mit gravierenden Menschenrechtsfolgen verhängt werden. Die materiellen Sorgfaltspflichten – Risikoanalyse, Präventions- und Abhilfemaßnahmen, Beschwerdeverfahren – bleiben davon unberührt bestehen. Parallel dazu hat das BAFA die inhaltliche Prüfung eingereichter LkSG-Berichte seit Herbst 2025 ausgesetzt; bis zum 31. Dezember 2025 nachgereichte Berichte blieben sanktionsfrei.
EU-Ebene: CSDDD-Reform bereits abgeschlossen
Anders als im deutschen Gesetzgebungsverfahren ist die EU-Reform bereits Gesetz: Die „Omnibus I"-Richtlinie (EU) 2026/470 wurde am 26. Februar 2026 im Amtsblatt veröffentlicht und ist seit 18. März 2026 in Kraft. Sie hebt die Schwellenwerte der Corporate Sustainability Due Diligence Directive (CSDDD) auf 5.000 Beschäftigte und 1,5 Mrd. Euro weltweiten Nettoumsatz an (auch für Drittstaaten-Konzerne mit entsprechendem EU-Umsatz) und beschränkt die Sorgfaltspflicht im Regelfall auf direkte Geschäftspartner. Umsetzungsfrist für die CSDDD-Teile ist der 26. Juli 2028, einheitlicher Anwendungsbeginn der 26. Juli 2029; die zivilrechtliche Haftung wurde den Mitgliedstaaten zur eigenen Ausgestaltung überlassen statt EU-weit vereinheitlicht. Für die meisten Vending-Operator – regelmäßig weit unter den neuen Schwellenwerten – ändert das wenig an der eigenen Pflichtenlage, wohl aber am Umfang der Fragebögen, die von Tier-1-Lieferanten künftig weitergereicht werden.