Software
IoT-Plattform
Begriff aus dem Vending-Glossar
Cloud-Backend, das Echtzeit-Gerätedaten (Verkäufe, Temperaturen, Füllstände, Störungen) vernetzter Automaten sammelt, normalisiert und auswertet – Basis für Predictive Maintenance, Routenoptimierung und KPI-Reporting. Herstellerspezifisch (z. B. WMF CoffeeConnect) oder herstellerunabhängig (z. B. Nayax, Cantaloupe).
Architektur: vom Sensor zur Cloud
Eine IoT-Plattform sitzt zwischen dem einzelnen Automaten und der kaufmännischen Software. Am Gerät erfasst ein Telemetriemodul Verkaufs-, Temperatur- und Störungsdaten über die Kommunikationswege MDB, DEX oder EVA-DTS und überträgt sie per Mobilfunk (GSM/LTE) oder WLAN an das Backend. Dort werden die je nach Hersteller unterschiedlichen Datenformate normalisiert und über eine einheitliche API für VMS, Business-Intelligence-Tools oder Predictive-Maintenance-Module bereitgestellt. Ohne diese Normalisierungsschicht müsste jedes Auswertungssystem jedes Gerätemodell einzeln verstehen.
Herstellergebunden vs. herstellerunabhängig
Zwei Plattformtypen stehen sich gegenüber. Herstellerspezifische Lösungen wie WMF CoffeeConnect sind auf die eigene Gerätefamilie zugeschnitten und bieten dafür tiefere Diagnosedaten, etwa zu Brühgruppenzustand oder Reinigungszyklen. Herstellerunabhängige Plattformen wie die von Nayax oder Cantaloupe bündeln dagegen Geräte verschiedener Marken in einer Flotte, was für gemischte Bestände praktischer ist, aber selten dieselbe Gerätetiefe erreicht.
Der Weg zu einem einheitlichen Standard
Die Fragmentierung der Protokolle – neben MDB und DEX/EVA-DTS existiert etwa das proprietäre „Executive“-Protokoll für Peripheriegeräte wie Kaffeemaschinen und Zahlungsterminals – gilt als zentrales Interoperabilitätsproblem der Branche. Die europäische Branchenvereinigung EVA hat deshalb 2024 gemeinsam mit der OPC Foundation eine Arbeitsgruppe gegründet, die eine herstellerübergreifende OPC-UA-Companion-Specification entwickelt. Ziel ist, dass Geräte unterschiedlicher Hersteller ohne proprietäre Zwischenschicht mit Backoffice-Systemen kommunizieren können; ein verbindlicher Zeitplan für die Fertigstellung war zum Zeitpunkt der Ankündigung noch nicht benannt.
Datenhoheit als Auswahlkriterium
Für den Betreiber zählt weniger die Oberfläche als die Herausgabe der eigenen Daten: Wer keine offene Schnittstelle (API-Export) bekommt, kann die Plattform später nicht wechseln, ohne die Verkaufs- und Wartungshistorie zu verlieren – und genau diese Historie ist die Grundlage für Predictive-Maintenance-Modelle und belastbare Bedarfsprognosen.