Software
Telemetrie
Begriff aus dem Vending-Glossar
Fernüberwachung von Automaten über Mobilfunk oder LAN: Füllstände, Störungen, Temperatur und Umsätze laufen laufend im Backend zusammen. Reduziert Leerfahrten und verkürzt Reaktionszeiten bei Störungen.
Technische Grundlage
Telemetriemodule werden am Automatencontroller (VMC) angeschlossen und lesen Verkaufs- und Füllstandsdaten über die genormten Schnittstellen MDB (Multi-Drop Bus, die interne Kommunikation zwischen Controller und Zahlungssystem) und DEX/EVA-DTS aus. EVA-DTS — der von der European Vending and Coffee Service Association (EVA) gepflegte „Data Transfer Standard" — baut auf der älteren DEX-Datenstruktur auf und ergänzt sie um zusätzliche Übertragungswege; im Markt werden beide Begriffe oft synonym verwendet. Die aktuelle Fassung (Version 6.2.x) wird von EVA-Mitgliedern gepflegt und regelmäßig aktualisiert. Erst ein EVA-DTS-konformer Datenstrom erlaubt es einem Vending-Management-System (VMS), Geräte unterschiedlicher Hersteller einheitlich auszuwerten, statt für jede Marke eine eigene Anbindung zu pflegen.
Was Telemetrie im Betrieb verändert
Ohne Telemetrie fährt eine Servicekraft nach festem Intervall oder nach Erfahrungswert — mit dem Risiko, volle Automaten unnötig anzufahren und leere zu spät zu entdecken. Telemetriedaten verschieben die Disposition von intervall- auf bedarfsgesteuert: Touren werden nach tatsächlichem Füllstand priorisiert, und Störungsmeldungen wie Falschgeld, offener Türkontakt oder Temperaturabweichung im Kühlfach lösen im Idealfall automatisch ein Ticket aus, bevor ein Kunde die Störung meldet oder der Standort abwandert. Anbieter und Betreiber berichten in Einzelfallstudien von spürbaren Einsparungen bei Leerfahrten und Ausfallzeiten; belastbare, herstellerunabhängige Branchenkennzahlen dazu veröffentlicht die EVA nicht — pauschale Prozentangaben zu Umsatz- oder Kostenwirkung sind daher mit Vorsicht zu lesen und hängen stark von Routendichte und Gerätezahl pro Techniker ab.
Aktueller Handlungsdruck: 2G-Abschaltung
Viele ältere Telemetriemodule kommunizieren noch über 2G/GPRS. Die deutschen Netzbetreiber haben feste Abschalttermine gesetzt: Telekom Ende Juni 2028, Vodafone Ende September 2028, Telefónica in der zweiten Jahreshälfte 2028 — mit Ausnahmen für kritische IoT-Anwendungen bis Ende 2030. Für Betreiber mit einem größeren Bestand an älteren Automaten bedeutet das konkret: SIM-Karten und Telemetrie-Hardware, die nur 2G/GSM beherrschen, müssen vor diesen Terminen auf LTE, NB-IoT oder vergleichbare Standards migriert werden — ein Investitionsposten, der in die mittelfristige Flottenplanung gehört und nicht erst kurz vor der Abschaltung angegangen werden sollte.