
Markt-Analyse
Kartenzahlung 2026: Warum 47% der Automaten-Käufer ohne Karte nicht mehr zahlen
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47 Prozent der Deutschen haben ihren letzten Einkauf mit Karte bezahlt, nur noch 41 Prozent mit Bargeld: Das ist das Ergebnis der IDZ-Allensbach-Studie 2025, veröffentlicht am 23. Oktober 2025 durch die Initiative Deutsche Zahlungssysteme e.V. Seit Messbeginn 2006 ist es das erste Mal, dass die Karte das Bargeld überholte. 2024 lagen die Anteile noch bei 44 Prozent Karte und 48 Prozent Bargeld; der Rückgang um sieben Prozentpunkte beim Bargeld innerhalb eines Jahres ist der stärkste in der Studiengeschichte.
Für Vending-Betreiber ist das keine Trendprognose mehr, sondern Gegenwart. Der Bundesverband der Deutschen Vending-Automatenwirtschaft (BDV) zieht aus den Allensbach-Daten eine direkte Schlussfolgerung: Wer am Automaten ausschließlich Münzen und Scheine akzeptiert, schneidet sich von rund 50 Prozent aller zahlungswilligen Kunden ab.
Was die 47-Prozent-Zahl tatsächlich misst
Die Allensbach-Studie fragt nach dem letzten Einkauf, nicht nach dauerhaften Präferenzen oder Selbsteinschätzungen. Das macht die Zahl präziser als Umfragen zur allgemeinen Zahlungsbereitschaft: Sie spiegelt echte Kaufsituationen wider, die die Befragten in den Tagen und Wochen vor dem Interview hatten.
Parallel dazu veröffentlichte das EHI Retail Institute seine Studie Zahlungssysteme im Einzelhandel 2025. Im Panel von 499 Unternehmen, die 55,3 Prozent des deutschen Einzelhandelsumsatzes abdecken, betrug der Kartenanteil am Umsatz bereits 63,5 Prozent. Girocard allein: 41,5 Prozent. Bargeld: 33,8 Prozent des Umsatzes, aber noch 54,6 Prozent der Transaktionen. Dieser Unterschied erklärt sich durch Kleinstbeträge, die häufiger bar bezahlt werden. Für Vending-Automaten, wo viele Kaufvorgänge im Kleinstbetragsbereich stattfinden, ist dieser Effekt besonders ausgeprägt.
Europäisches Vending: Von 42 % auf 15 % Cash-only in fünf Jahren
Die European Vending & Coffee Service Association (EVA) dokumentiert in ihrem Market Report 2025 (Daten 2024) den strukturellen Wandel: 85 Prozent des europäischen Pay-Vend-Bestands sind inzwischen mit bargeldloser Zahlung ausgestattet, 2019 waren es 58 Prozent. Der Anteil reiner Cash-only-Automaten sank von 42 Prozent auf 15 Prozent.
Von den bargeldlos ausgestatteten Geräten arbeiten 65 Prozent im Open-Site-Modus (girocard, Kreditkarte, NFC, App) und 35 Prozent im Closed-Site-Modus (Firmenkarte, RFID). Das Betriebsmarkt-Segment, auf das rund 76 Prozent der ca. 621.000 deutschen Vending-Automaten entfallen (BDV-Marktstudie 2024), ist von der Umstellung direkt betroffen, nicht nur der öffentliche Bereich.
Ein spezifischer Wert für Deutschland ist in öffentlichen Quellen nicht verfügbar. Die 85-Prozent-Zahl gilt für Europa gesamt und dürfte regional variieren. Eine Nayax-Auswertung bargeldlos ausgestatteter UK-Automaten zeigt, wohin ein Markt tendiert, sobald Terminals vorhanden sind: bis zu 80 Prozent aller Transaktionen bargeldlos, 57 Prozent davon per Mobiltelefon. Wegen des Nayax-Bias und des UK-Kontexts ist diese Zahl nicht direkt auf Deutschland übertragbar (nicht unabhängig für den deutschen Markt bestätigt).
Mobile Payment: Was 25 Prozent bedeuten
25 Prozent der Deutschen haben 2025 per Smartphone oder Smartwatch bezahlt. 2022 waren es rund 12 Prozent, also eine Verdopplung in drei Jahren. Unter 30-Jährigen liegt der Anteil bei 42 Prozent, knapp unter der klassischen Kartenzahlung mit 45 Prozent. Dieser Altersbereich bildet in wenigen Jahren die Hauptkäufergruppe an Automaten in Hochschulen, Fitnessstudios und modernen Bürostandorten.
Das EHI-Institut bestätigt den Trend für den stationären Handel: Mobile Payment machte 2024 12,9 Prozent der unbaren Zahlungen aus (2019: 7,5 Prozent). Für Automaten ergibt sich ein technischer Punkt: Ein aktuelles NFC-Terminal mit girocard- und Kreditkartenakzeptanz akzeptiert Apple Pay, Google Pay und girocard-Wallets automatisch mit. Mobile-Payment-Unterstützung ist bei moderner Terminalausstattung keine separate Implementierungsfrage.
Girocard: Fundament bis 2030
Unter Besitzern mehrerer Zahlungskarten bevorzugen 52 Prozent die girocard als primäres Zahlungsmittel. Kreditkarten folgen mit 15 Prozent. 77 Prozent der Befragten erwarten, dass die girocard auch 2030 das meistgenutzte Zahlungsmittel in Deutschland bleibt.
Für Betreiber, die Terminals nachrüsten oder neu beschaffen, ist das unmittelbar relevant: Ein Terminal ohne girocard-Akzeptanz schließt die Mehrheit der kartenaffinen Nutzer aus. Die Anforderungen (Acquirer-Vertrag, technische Spezifikation) sind nicht öffentlich beziffert und müssen mit dem Terminal- oder Zahlungsdienstleister verhandelt werden.
Gleichzeitig gewinnen europäische Zahlungssysteme an Rückhalt: 60 Prozent der Befragten halten europäische Angebote wie girocard und wero für wichtig, 15 Prozentpunkte mehr als 2022. 69 Prozent sehen die Unabhängigkeit von US-Anbietern (Visa, Mastercard, PayPal) als Vorteil. Wero, das europäische Echtzeit-Zahlungssystem der European Payments Initiative (EPI), ist an deutschen Automaten noch kaum verbreitet; für Betreiber mit langfristiger Planung lohnt ab 2027 ein Blick auf die Akzeptanzentwicklung.
Was Betreiber jetzt konkret prüfen sollten
Drei Prüfpunkte aus den aktuellen Studiendaten:
Eigene Ausstattungsquote ermitteln: Welcher Anteil des eigenen Bestands ist noch Cash-only? 15 Prozent ist der europäische Benchmark. Wer darüber liegt, hat konkreten Nachrüstbedarf.
girocard-Akzeptanz sicherstellen: Nicht jede NFC-Lösung akzeptiert girocard ohne gesonderten Acquirer-Vertrag. Transaktionsgebühren und technische Mindestanforderungen sind vertraglich zu klären.
Standorte nach Altersstruktur priorisieren: 42 Prozent der unter 30-Jährigen zahlen bereits mobil. Hochschulen, Fitnessstudios, Kliniken mit jungen Pflegeteams und Co-Working-Flächen profitieren früher von der Umrüstung als klassische Industriekantinen mit älterer Belegschaft.
Technische Grundlagen, Kostenstruktur und Break-even-Rechnung für Kartenterminals am Automaten sind im Ratgeber zur Kartenzahlung auf dieser Website ausführlich beschrieben.
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