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Markt-Analyse

Bundestagsgutachten zum Vending: 621.000 Automaten, und woher die Zahlen stammen

von Redaktion AutomatenTests.deVeröffentlicht 6 Min Lesezeit

Die Wissenschaftlichen Dienste des Deutschen Bundestages haben ein Gutachten zum Vending vorgelegt: 20 Seiten, drei Fachbereiche, Abschluss der Arbeit am 11. Februar 2026. Es nennt 621.000 Getränke- und Verpflegungsautomaten in Deutschland und 4,62 Milliarden Euro Branchenumsatz für 2024. Beide Zahlen stammen aus Schätzungen eines Branchenverbandes, und das Gutachten schreibt das auch so hin. Wer sie ab jetzt zitiert, sollte wissen, was genau darin steckt.

Was das Gutachten zusammenträgt

Drei Fachbereiche haben daran gearbeitet: WD 5 für Wirtschaft, Energie und Klima, WD 8 für Gesundheit, Familie, Bildung und Umwelt, WD 4 für Haushalt und Finanzen. Der Aufbau ist eine Bestandsaufnahme: wirtschaftliche Lage der Branche, ein geschichtlicher Exkurs, dann ein Durchgang durch die Rechtsgrundlagen von der Baunutzungsverordnung über Jugendschutz, Gewerbeanmeldung, Lebensmittelhygiene und Abfallrecht bis zu Steuern, Landesbaurecht, Ladenöffnungsgesetzen und Aufstellgenehmigungen. Am Ende ein Abschnitt Reformvorschläge.

Für den Markt zitiert das Gutachten fast durchgängig eine Quelle: den Marktüberblick des Bundesverbandes der Deutschen Vending-Automatenwirtschaft. Von dort kommen die 621.000 Automaten, die 12 Millionen täglichen Verkäufe, die 4,62 Milliarden Euro Umsatz und das Plus von 18,7 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Aus eigener Zuordnung ergänzt das Gutachten den Vergleich zum Einzelhandel: rund 0,7 Prozent des Gesamtumsatzes des deutschen Einzelhandels, gemessen an den Zahlen des Handelsverbandes Deutschland.

Zur Struktur nennt das Gutachten rund 15.000 Beschäftigte und rund 1.000 Automaten-Dienstleister, überwiegend mittelständisch. Auf acht Anbieter entfallen etwa 30 Prozent des Marktes für Automatendienstleistungen. Und ein Wert, der die Standortfrage der ganzen Branche beschreibt: rund 70 Prozent der Vending-Warenautomaten stehen in Unternehmen, der Rest in Behörden, Hotels, an Bahnhöfen und Flughäfen, in Schulen, Universitäten und Krankenhäusern. Diese Zahl ist allerdings von 2022 und stammt aus einer älteren Ausgabe desselben Marktüberblicks.

Der Unterschied zwischen 4,62 und 3,4 Milliarden

Wer im Marktüberblick des Verbandes nachliest, findet die 4,62 Milliarden Euro dort präziser aufgeschlüsselt, als sie im Gutachten erscheinen. Der Gesamtumsatz beim Verkauf von Getränken und Snacks aus Vending-Automaten wird mit rund 3,4 Milliarden Euro angegeben und erhöht sich erst durch ergänzende Dienstleistungen, Handel und das Wassergeschäft auf 4,62 Milliarden Euro pro Jahr.

Das ist kein Rechenfehler des Gutachtens, es verkürzt nur. Für die Einordnung macht es aber einen Unterschied von über einer Milliarde Euro. Wer die 4,62 Milliarden gegen die 621.000 Automaten rechnet, kommt auf rund 7.400 Euro Jahresumsatz je Gerät. Mit den 3,4 Milliarden sind es rund 5.500 Euro. Zwischen diesen beiden Werten liegen 36 Prozent, und nur der zweite beschreibt, was ein Automat tatsächlich einspielt.

Die Wachstumsangabe von 18,7 Prozent bezieht sich im Marktüberblick auf die 4,62 Milliarden. Wie viel davon auf das Automatengeschäft und wie viel auf Dienstleistungen, Handel und Wasser entfällt, geht aus der Veröffentlichung nicht hervor.

Die Zahl, die Betreiber wirklich sortiert

Interessanter als der Gesamtumsatz sind zwei Aufteilungen, die der Verband nebeneinanderstellt und die das Gutachten nicht aufgreift.

Nach Anzahl der Verkäufe entfallen 75 Prozent auf Heißgetränke, 16 Prozent auf Kaltgetränke und 9 Prozent auf Snacks und Food. Nach Umsatzanteil sieht es anders aus: 47 Prozent Heißgetränke, 33 Prozent Kaltgetränke, 20 Prozent Snacks und Food.

Drei Viertel aller Vorgänge sind also Heißgetränke, die aber nur knapp die Hälfte des Umsatzes tragen. Snacks und Food kommen mit einem Elftel der Vorgänge auf ein Fünftel des Umsatzes. Für einen Betreiber heißt das: Die Heißgetränkelinie bestimmt, wie oft das Gerät angefasst, gereinigt und nachgefüllt wird, und die Snacklinie bestimmt überproportional, was am Standort hängen bleibt. Wer Servicekosten pro Vorgang rechnet und Erlöse pro Euro, rechnet in zwei verschiedenen Welten.

Was hinter den 621.000 Geräten steckt

Der Marktüberblick teilt den Bestand in vier Klassen auf, und sie summieren sich genau auf die Gesamtzahl: 295.000 Heißgetränke-Table-Top-Automaten, 121.000 Heißgetränke-Standautomaten, 112.000 Kaltgetränkeautomaten und 93.000 Automaten für Snacks und Food. Heißgetränke stellen damit 416.000 Geräte, also gut zwei Drittel des Bestandes, und der kleine Tischautomat ist mit fast der Hälfte aller Geräte die häufigste Bauform im Land.

Nicht in den 621.000 enthalten sind nach Angabe des Verbandes Mengenbrüher im Office-Coffee-Service, leitungsgebundene Wasserspender und Rücknahmegeräte. Wer also von 621.000 Automaten spricht, spricht nicht über den gesamten Gerätepark, sondern über Getränke- und Verpflegungsautomaten im engeren Sinn.

Woher die Daten kommen

Der Marktüberblick nennt seine Grundlage selbst: ein Operator-Fragebogen mit Erhebungszeitraum Juni bis August 2024, der EVA-Marktbericht 2023, eigene Analyse und Experteninterviews. Das ist eine Verbandserhebung, keine amtliche Statistik, und der Bestand ist ausdrücklich als brancheninterne Schätzung ausgewiesen.

Das Gutachten der Wissenschaftlichen Dienste macht daraus keine amtliche Zahl, es referiert sie mit Fußnote. Genau deshalb lohnt der Blick auf das Original: Ab jetzt existiert ein Bundestagsdokument, das diese Werte trägt, und Papiere zitieren Papiere. Wer die 4,62 Milliarden künftig in einer Präsentation liest, sollte prüfen, ob damit das Automatengeschäft gemeint ist oder die Branche mitsamt Handel und Wasser.

Ein Detail am Rand zeigt, wie breit das Feld inzwischen ist: Für die landwirtschaftliche Direktvermarktung verweist das Gutachten auf eine Online-Befragung der Bayerischen Landesanstalt für Landwirtschaft. Danach setzen rund 19 Prozent der befragten Betriebe Verkaufsautomaten ein, und 73 Prozent dieser Automaten stehen an der eigenen Hofstelle. Der Hofautomat ist damit keine Randerscheinung mehr, sondern in Bayern bei fast jedem fünften befragten Direktvermarkter im Einsatz.

Häufige Fragen

Ist das Gutachten eine amtliche Statistik zum Vending-Markt?
Nein. Die Wissenschaftlichen Dienste stellen ausdrücklich klar, dass ihre Arbeiten nicht die Auffassung des Bundestages wiedergeben, in der fachlichen Verantwortung der Verfasserinnen und Verfasser liegen und eine individuelle Auftragsarbeit für einen Abgeordneten darstellen. Die Marktzahlen darin sind Schätzungen eines Branchenverbandes, sauber mit Fußnote belegt, aber keine amtliche Erhebung.
Wie viel Umsatz macht ein Automat im Jahr?
Das lässt sich aus diesen Zahlen nur grob überschlagen, und das Ergebnis hängt daran, welche Umsatzgröße man einsetzt. 3,4 Milliarden Euro Automatenumsatz auf 621.000 Geräte ergeben rund 5.500 Euro je Gerät und Jahr. Nimmt man die 4,62 Milliarden, die auch Dienstleistungen, Handel und Wasser enthalten, sind es rund 7.400 Euro. Beides sind Mittelwerte über alle Bauformen und Standorte, kein Planungswert für ein einzelnes Gerät.
Welche Gerätegattung ist am weitesten verbreitet?
Der Heißgetränke-Table-Top-Automat mit 295.000 Geräten, gefolgt von 121.000 Heißgetränke-Standautomaten, 112.000 Kaltgetränkeautomaten und 93.000 Automaten für Snacks und Food. Zusammen sind das die 621.000 Getränke- und Verpflegungsautomaten. Mengenbrüher im Office-Coffee-Service, leitungsgebundene Wasserspender und Rücknahmegeräte zählt der Verband separat.

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Nützliche Links und Dokumente

Weiterführende Quellen

  1. 1.BDV, Die Vending-Branche — rund 15.000 Beschäftigte, Unternehmenstypen der Branche von Operatoren über Hersteller und Zahlungssysteme bis zu Fachverlagen und technischem Servicebdv-vending.de/branche/
  2. 2.Handelsverband Deutschland (HDE), Umsatzentwicklung im Einzelhandel — Bezugsgröße für den Anteil von rund 0,7 Prozenteinzelhandel.de/presse/zahlenfaktengrafiken/1022-konjunktur/11935-umsatzwachstum-setzt-sich-fort
  3. 3.Bayerische Landesanstalt für Landwirtschaft, Online-Befragung zur Automatenvermarktung in der landwirtschaftlichen Direktvermarktung — rund 19 Prozent der befragten Betriebe mit Verkaufsautomaten, 73 Prozent davon an der eigenen Hofstellelfl.bayern.de/bestandsaufnahme-automaten