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Grundlagen & Erste Schritte

Energielabel am Automaten: Was der Buchstabe im Jahr wirklich kostet

von Redaktion AutomatenTests.deAktualisiert 8 Min Lesezeit
Facility-Manager zeigt auf das EU-Energielabel eines Kaltgetraenkeautomaten: Klasse F, 2211 kWh im Jahr
Inhalt
  1. Was der Buchstabe auf dem Energielabel im Jahr kostet
  2. Der Rechenweg, einmal ausgeschrieben
  3. Warum derselbe Buchstabe verschiedene Betraege bedeutet
  4. Die Nennleistung ist keine Verbrauchsangabe
  5. Was in unserem eigenen Bestand steht
  6. Die Klasse sagt nichts ueber das Kaeltemittel
  7. Wo das Label gilt und wo nicht
  8. Standby ist die Position, die niemand nennt
  9. Warum Ihr Zaehler etwas anderes anzeigen wird
  10. Was Sie vor der Bestellung verlangen sollten
  11. Der Angebotsvergleich in vier Zeilen
  12. Ein Rechenbeispiel zum Mitnehmen

Was der Buchstabe auf dem Energielabel im Jahr kostet

Die kurze Antwort zuerst: Der Buchstabe sagt es Ihnen nicht. Er ist eine Bewertung pro Liter Nutzvolumen, keine Angabe in Kilowattstunden. Zwei Geraete derselben Klasse koennen im Jahr mehrere hundert Euro auseinanderliegen, und ein Geraet mit dem besseren Buchstaben kann das teurere sein. Was Sie brauchen, ist die Kilowattstundenzahl vom Label — und die steht dort ebenfalls, nur weniger prominent.

Der Rechenweg, einmal ausgeschrieben

Gewerbestrom kostet bei einem Jahresverbrauch von 10.000 Kilowattstunden derzeit 27,15 Cent je Kilowattstunde. Im Vorjahr waren es 28,72 Cent, der Preis ist also um 5,47 Prozent gefallen. Mit dieser Zahl wird aus jeder Verbrauchsangabe ein Betrag: Jahresverbrauch in Kilowattstunden mal 27,15, geteilt durch 100.

Ein Beispiel aus unseren eigenen Messwerten. Der Azkoyen Palma+ H87 traegt auf dem EU-Energielabel die Klasse F und einen Jahresverbrauch von 2.211 Kilowattstunden bei 589 Litern Nutzvolumen. Das sind 600,29 Euro Stromkosten im Jahr. Der kleinere Azkoyen Palma+ H70 traegt dieselbe Klasse F und 1.947 Kilowattstunden bei 427 Litern, also 528,61 Euro. Zwischen beiden liegen 71,68 Euro im Jahr, obwohl auf beiden Labels derselbe Buchstabe steht.

Warum derselbe Buchstabe verschiedene Betraege bedeutet

Weil die Klasse volumennormiert ist. Rechnet man den Verbrauch auf den Liter Nutzvolumen herunter, dreht sich das Bild sogar: Der grosse H87 braucht 3,75 Kilowattstunden je Liter und Jahr, der kleine H70 4,56. Der grosse Automat ist pro Liter also um 17,67 Prozent sparsamer — und landet trotzdem in derselben Klasse, weil die Skala breit genug ist, beide zu fassen.

In Euro je Liter Nutzvolumen und Jahr sind das 1,02 Euro beim H87 und 1,24 Euro beim H70. Wer Platz fuer den grossen Automaten hat und ihn auch fuellt, zahlt pro Liter Kuehlraum weniger. Wer den grossen Automaten halb leer betreibt, zahlt die 600,29 Euro trotzdem.

Daraus folgt die erste praktische Regel: Vergleichen Sie zwei Geraete nie ueber die Klasse, sondern ueber die Kilowattstundenzahl — und setzen Sie diese ins Verhaeltnis zu dem Volumen, das Sie wirklich brauchen.

Die Nennleistung ist keine Verbrauchsangabe

Das ist der haeufigste Fehler in Angebotsvergleichen. Auf dem Typenschild des Azkoyen Palma+ H87 stehen 520 Watt. Wer daraus einen Jahresverbrauch ableitet, rechnet 520 Watt mal 8.760 Stunden und kommt auf 4.555 Kilowattstunden, also 1.236,74 Euro. Das Label sagt 2.211 Kilowattstunden. Die Differenz betraegt 636,45 Euro im Jahr.

Der Grund ist einfach: Ein Kuehlautomat laeuft nicht unter Volllast. Der Kompressor schaltet, sobald die Solltemperatur erreicht ist. Aus den beiden Zahlen laesst sich der Laufanteil ausrechnen — 48,54 Prozent in diesem Fall. Diese Zahl gilt aber nur fuer dieses Geraet unter den Bedingungen der Labelmessung. Sie auf ein anderes Geraet zu uebertragen waere geraten, nicht gerechnet.

Umgekehrt gilt: Die Nennleistung ist fuer die Absicherung wichtig, nicht fuer die Kosten. 520 Watt entscheiden darueber, was der Stromkreis aushalten muss, an dem der Automat haengt. Fuer die Betriebskosten ist sie ohne Aussage.

Was in unserem eigenen Bestand steht

Wir fuehren derzeit 15 Geraete mit einer Labelklasse oder einem Jahresverbrauch im Datenblatt. Davon haben 8 nur den Buchstaben und 5 eine Kilowattstundenzahl. Das ist die eigentliche Nachricht dieses Ratgebers: Bei mehr als der Haelfte der Geraete, fuer die ueberhaupt eine Energieangabe existiert, laesst sich aus der veroeffentlichten Angabe kein Betrag berechnen.

Wo Jahreswerte vorliegen, ist die Spannweite gross:

  • Cleveron 302: 360 Kilowattstunden, 97,74 Euro im Jahr
  • Livello Smart Kiosk: 1.321 Kilowattstunden, 358,65 Euro im Jahr
  • Cleveron 403: 1.740 Kilowattstunden, 472,41 Euro im Jahr
  • Azkoyen Palma+ H70: 1.947 Kilowattstunden, 528,61 Euro im Jahr
  • Azkoyen Palma+ H87: 2.211 Kilowattstunden, 600,29 Euro im Jahr
  • Cleveron 402: 3.600 Kilowattstunden, 977,40 Euro im Jahr

Zwischen dem sparsamsten und dem hungrigsten Geraet dieser Liste liegt der Faktor 10 und ein Betrag von 879,66 Euro im Jahr — pro Geraet. Bei einer Flotte von 10 Automaten sind das 8.796,60 Euro Unterschied allein beim Strom. Die Geraete sind nicht vergleichbar, sie erfuellen verschiedene Aufgaben. Aber die Zahl zeigt, in welcher Groessenordnung diese Position liegt, wenn sie im Angebotsvergleich gar nicht auftaucht.

Die Klasse sagt nichts ueber das Kaeltemittel

Ein weiterer Punkt, der sich aus unseren Datenblaettern ablesen laesst: Die Labelklasse und das Kaeltemittel sind zwei unabhaengige Angaben. In unserem Bestand steht ein Geraet der Klasse C mit einem fluorierten Kaeltemittel neben Geraeten derselben Klasse mit dem natuerlichen Propan R290. Wer aus dem Buchstaben auf die Klimawirkung schliesst, schliesst falsch.

Welches Kaeltemittel im Geraet arbeitet, steht nicht auf dem Energielabel, sondern im technischen Datenblatt. Fragen Sie es ab, wenn es Ihnen wichtig ist — und verlangen Sie die Angabe schriftlich, nicht als Auskunft am Telefon.

Wo das Label gilt und wo nicht

Die Kennzeichnung, aus der die Klasse stammt, gilt fuer Kuehlgeraete mit Direktverkaufsfunktion — das Label des H87 nennt die Verordnung 2019/2018 selbst. Genau deshalb finden Sie in unseren Berichten zu Heissgetraenkeautomaten keine Klasse: Fuer diese Geraetegruppe gibt es kein EU-Energielabel. Dort steht im Datenblatt eine Nennleistung, und mehr nicht.

Fuer Sie heisst das: Bei Kaltgetraenke- und Snackautomaten mit Kuehlung koennen Sie das Label verlangen und bekommen einen belastbaren Jahreswert. Bei Heissgetraenkeautomaten gibt es diesen Wert nicht, und jede Jahreszahl, die Ihnen jemand dafuer nennt, ist eine Hochrechnung mit Annahmen. Fragen Sie dann nach, welche Annahmen darin stecken — Bruehvorgaenge pro Tag, Warmhaltezeit, Standby-Stunden. Ohne diese drei Angaben ist die Zahl nicht pruefbar.

Standby ist die Position, die niemand nennt

In unserem gesamten Bestand steht bei genau einem Geraet ein Standby-Wert im Datenblatt: Der Crane BevMax Media nennt 8,20 Watt Standby bei 253 Watt Nennleistung, also 3,24 Prozent. Rechnet man diese 8,20 Watt ueber das ganze Jahr, sind das 71,83 Kilowattstunden und 19,50 Euro — allein fuer den Zustand, in dem das Geraet nichts tut.

Der Betrag ist klein, und er ist ein Einzelwert; auf andere Geraete laesst er sich nicht uebertragen. Interessant ist er als Groessenordnung und als Frage an den Hersteller: Wenn ein Anbieter den Standby-Wert nennt, hat er ihn gemessen. Wenn er ihn nicht nennt, wissen Sie nicht, ob er zwei Watt oder zwanzig betraegt. Bei einer Flotte und einer Nachtabsenkung, die Sie einrichten wollen, ist das der Unterschied zwischen einer Rechnung und einem Gefuehl.

Warum Ihr Zaehler etwas anderes anzeigen wird

Der Labelwert entsteht unter genormten Bedingungen. Am echten Standort wirken mindestens drei Groessen dagegen: die Umgebungstemperatur, die Zahl der Tueroeffnungen und der Fuellstand. Wie stark jede davon wirkt, koennen wir aus unseren Datenblaettern nicht beziffern — die Hersteller veroeffentlichen dazu keine Werte, und eine Schaetzung waere geraten.

Was sich sagen laesst: Der Labelwert ist die belastbarste vergleichbare Zahl vor dem Kauf, und der eigene Zaehler ist die belastbarste Zahl danach. Ein Zwischenzaehler an der Steckdose kostet wenig und beendet die Diskussion nach vier Wochen. Wer eine Flotte betreibt, sollte diese Messung an einem Geraet je Bauart einmal machen und den Faktor zwischen Labelwert und Messwert notieren. Diesen Faktor koennen Sie dann auf gleichartige Standorte anwenden — er ist Ihre Zahl, nicht die des Herstellers.

Was Sie vor der Bestellung verlangen sollten

Fuenf Angaben, alle fuenf stehen dem Hersteller zur Verfuegung:

  • Den Jahresverbrauch in Kilowattstunden vom EU-Energielabel, nicht die Klasse
  • Das Nutzvolumen und die Solltemperatur, auf die sich dieser Wert bezieht
  • Die Nennleistung fuer die Absicherung des Stromkreises, getrennt davon
  • Das Kaeltemittel mit Bezeichnung
  • Die Standby-Leistung in Watt

Mit der ersten Zahl und dem eigenen Strompreis haben Sie die Jahreskosten. Mit der zweiten koennen Sie zwei Geraete unterschiedlicher Groesse vergleichen. Die dritte klaert der Elektriker, die vierte der Einkauf, und die fuenfte brauchen Sie, sobald Sie ueber eine Nachtabsenkung nachdenken.

Der Angebotsvergleich in vier Zeilen

Wenn zwei Angebote auf dem Tisch liegen, brauchen Sie kein Tabellenwerk. Vier Zeilen je Geraet genuegen, und sie stehen alle im Datenblatt oder auf dem Label:

  • Jahresverbrauch in Kilowattstunden, mal Ihrem Strompreis, geteilt durch 100
  • Dasselbe Ergebnis geteilt durch das Nutzvolumen in Litern
  • Der Kaufpreis geteilt durch die geplante Nutzungsdauer in Jahren
  • Beide Jahresbetraege addiert

Die erste Zeile ist Ihr Stromkostenbetrag, die zweite macht zwei unterschiedlich grosse Geraete vergleichbar, die dritte verteilt den Kaufpreis, und die vierte ist die Zahl, die entscheidet. Fuer den Azkoyen Palma+ H87 und den Azkoyen Palma+ H70 aus dem obigen Beispiel stehen in Zeile eins 600,29 und 528,61 Euro und in Zeile zwei 1,02 und 1,24 Euro je Liter. Wer nur Zeile eins liest, haelt den kleinen Automaten fuer den sparsameren; wer Zeile zwei dazunimmt, sieht das Gegenteil.

Ein Rechenbeispiel zum Mitnehmen

Angenommen, Ihr Strompreis liegt bei 27,15 Cent und Sie haben zwei Angebote: ein Geraet mit 1.947 und eines mit 2.211 Kilowattstunden im Jahr. Der Unterschied betraegt 71,68 Euro jaehrlich. Ueber eine Nutzungsdauer von acht Jahren sind das 573,41 Euro. Wenn das groessere Geraet mehr als diesen Betrag zusaetzlich kostet, muss es sich ueber den Umsatz rechnen, nicht ueber den Strom. Wenn es weniger kostet, ist die Rechnung schon mit dem Stromverbrauch entschieden.

Und noch eine Zahl, die sich aus dem gefallenen Strompreis ergibt: Fuer den Azkoyen Palma+ H87 sind es bei 27,15 statt 28,72 Cent 34,71 Euro weniger im Jahr als 2025. Wer seine Kalkulation seit dem vergangenen Jahr nicht angefasst hat, rechnet mit einem zu hohen Wert.

Stand: 10. September 2026. Der Strompreis ist ein Durchschnittswert fuer Gewerbekunden bei 10.000 Kilowattstunden Jahresverbrauch; Ihr eigener Tarif kann deutlich abweichen und gehoert in jede Rechnung eingesetzt. Die Verbrauchsangaben stammen aus den EU-Energielabels und Datenblaettern, die in unseren Testberichten zu den genannten Geraeten verlinkt sind.

Nützliche Links und Dokumente

Weiterführende Quellen

  1. 1.wattline, Strompreis fuer Unternehmen (Auswertung nach BDEW, Stand Februar 2026) — woertlich: 'Der Preis fuer Gewerbestrom ist bei einem Verbrauch von 10.000 kWh/Jahr von 28,72 ct/kWh in 2025 auf nun 27,15 ct/kWh gesunken'; dazu die Industriewerte ab 160.000 kWh und der dauerhaft verankerte Stromsteuersatzwattline.de/energiewissen/strompreis-fuer-unternehmen/
  2. 2.BDEW, Dossier Strompreise in Deutschland — Zusammensetzung des Strompreises inklusive der Konzessionsabgabe, die je Gemeindegroesse ab 1,32 ct/kWh reicht; Grundlage der oben zitierten Auswertungbdew.de/energie/strompreise-dossier/
  3. 3.Azkoyen Vending, EU-Energielabel Palma+ H87 — Energieeffizienzklasse F, Jahresverbrauch 2.211 kWh, Nutzvolumen 589 Liter bei 3 Grad Celsius, Kennzeichnung nach Verordnung 2019/2018azkoyenvending.com/wp-content/blogs.dir/3/files/sites/3/2020/04/Palma-H87_82045720_H3_R290.jpg
  4. 4.Azkoyen Vending, EU-Energielabel Palma+ H70 — Energieeffizienzklasse F, Jahresverbrauch 1.947 kWh, Nutzvolumen 427 Liter bei 3 Grad Celsius; erlaubt den direkten Vergleich zweier Geraete derselben Klasseazkoyenvending.com/wp-content/blogs.dir/3/files/sites/3/2020/04/Palma-H70_82045760_H3_R290.jpg
  5. 5.FAS International, Branchenseite Vending — nennt die Excellence 900 und 1050 mit Energieklasse C; Beispiel fuer eine Klassenangabe ohne veroeffentlichten Jahresverbrauchfas.it/en/sectors/vending/
  6. 6.Livello Technologies, Produktseite Smart Kiosk — Jahresverbrauch 1.321 kWh und Nennleistung 295 W; drittes Geraet mit veroeffentlichtem Jahreswertlivello.com/smartkiosk?lang=en