Nachhaltigkeit
Scope-3-Emissionen
Begriff aus dem Vending-Glossar
Indirekte Treibhausgasemissionen entlang der Wertschöpfungskette eines Unternehmens (vor- und nachgelagert), abzugrenzen von direkten Scope-1- und energiebedingten Scope-2-Emissionen. Automaten und ihre Befülllogistik fallen für den Standortinhaber typischerweise unter Scope 3, Kategorie 1 (eingekaufte Waren/Dienstleistungen); berichtspflichtige Unternehmen müssen wesentliche Scope-3-Emissionen unter den ESRS-Standards der CSRD offenlegen.
Die 15 Kategorien des GHG Protocol
Das Greenhouse Gas Protocol trennt Unternehmensemissionen in drei Bereiche: Scope 1 sind direkte Emissionen aus eigenen Anlagen und Fahrzeugen, Scope 2 die aus eingekaufter Energie, Scope 3 alle übrigen Emissionen entlang der Wertschöpfungskette. Der „Corporate Value Chain (Scope 3) Standard“ listet dafür 15 Kategorien — acht vorgelagerte (u. a. eingekaufte Waren und Dienstleistungen, Transport, Abfall aus dem eigenen Betrieb) und sieben nachgelagerte (u. a. Nutzung und Entsorgung verkaufter Produkte). Für die meisten Unternehmen macht Scope 3 den weitaus größten Teil der Klimabilanz aus, weil hier die gesamte Lieferkette einfließt, nicht nur der eigene Betrieb.
Wo Automaten in dieser Rechnung auftauchen
Der Automatenbetrieb erscheint praktisch auf beiden Seiten der Wertschöpfungskette — je nachdem, wessen Bilanz man betrachtet. Für den Standortinhaber (Krankenhaus, Bürogebäude, Hochschule) ist der komplette Automatenservice eine eingekaufte Dienstleistung und fällt in dessen Kategorie 1. Für den Automaten-Betreiber selbst zählen die eingekauften Waren (Kaffee, Snacks, Verpackung), die Servicefahrten (Kategorie 4, vorgelagerter Transport) und die Entsorgung von Abfall und Altgeräten (Kategorien 5 und 12) zu seinem eigenen Scope 3. Ein Kältemittel-Leck an einem Kühlautomaten dagegen ist für den Betreiber Scope 1 (direkte Emission am eigenen Gerät) — taucht aber in der Bilanz des Standortinhabers wiederum als dessen Scope 3 auf.
Berechnungsmethoden und Praxisrelevanz
Berechnet wird je Kategorie nach einer von vier Methoden: ausgabenbasiert (aus Einkaufssummen und Emissionsfaktoren), mengenbasiert (aus tatsächlichen Verbrauchsmengen), lieferantenspezifisch (aus Primärdaten der Zulieferer) oder als Hybrid daraus. Ausgabenbasierte Schätzungen sind am schnellsten zu erstellen, aber am ungenauesten; lieferantenspezifische Daten sind exakter, aber in der Vending-Branche bislang kaum flächendeckend verfügbar. Genau deshalb tauchen Fragen nach Energieverbrauch, Kältemitteltyp und Verpackungsgewicht heute in Ausschreibungen auf, in denen früher ausschließlich der Preis pro Tasse oder die Standortprovision verhandelt wurde — berichtspflichtige Auftraggeber müssen diese Daten von ihren Dienstleistern einsammeln, um ihre eigene Scope-3-Bilanz zu schließen.