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Karte schlägt Bargeld: Allensbach-Studie 2025 ändert die Vending-Strategie
Inhalt
Zum ersten Mal seit Beginn der Erhebungen im Jahr 2006 hat die Karte das Bargeld überholt: Beim letzten Einkauf vor der Befragung zahlten 47 Prozent mit Karte, nur noch 41 Prozent mit Bargeld. Das zeigt die Allensbach-Studie 2025, die das Institut für Demoskopie Allensbach (IfD) im Auftrag der Initiative Deutsche Zahlungssysteme (IDZ) durchgeführt hat. Für Vending-Operators ist das Ergebnis konkret: Wer am Automaten nur Münzen und Scheine akzeptiert, schneidet sich laut BDV von rund 50 Prozent aller zahlungswilligen Kunden ab.
Studiendesign und Einordnung
Grundlage der Studie sind 1.025 mündlich-persönliche Interviews mit Personen ab 16 Jahren, Feldzeit 4. bis 16. Juli 2025. Das Erhebungsformat ist methodisch belastbar: face-to-face, repräsentativ für die deutschsprachige Bevölkerung ab 16. Die Zahlen sind kein Ausreißer. Die Bundesbank-Studie „Zahlungsverhalten in Deutschland 2025" (Forsa, September bis Dezember 2025, n=6.070) bestätigt: Erstmals liegen mehr als 50 Prozent aller Einkäufe im bargeldlosen Bereich. Bargeld fiel auf 45 Prozent, minus 6 Prozentpunkte gegenüber 2023.
Auch die EHI-Studie 2026 (Datenjahr 2025) kommt zum gleichen Befund: Kartenzahlung erreicht 65,1 Prozent des Umsatzes im deutschen Einzelhandel, nach 63,5 Prozent im Vorjahr. Der Bargeld-Umsatzanteil liegt noch bei 32,3 Prozent. Drei unabhängige Erhebungen, eine Aussage: Deutschland zahlt mehrheitlich bargeldlos.
Die girocard dominiert, Mobile Payment holt auf
Wer mit Karte zahlt, greift überwiegend zur girocard: 52 Prozent der Mehrkartenbesitzer nennen sie als bevorzugtes Instrument, nur 15 Prozent die Kreditkarte. Die girocard erzielte 2025 einen Rekord von 8,3 Milliarden Transaktionen. Im ersten Halbjahr 2026 waren es bereits 4,21 Milliarden (+4 Prozent gegenüber H1 2025), 92 Prozent davon kontaktlos.
Gleichzeitig zieht Mobile Payment stark an. 25 Prozent der Befragten nutzen Smartphone oder Smartwatch, mehr als doppelt so viele wie 2022 (12 Prozent). Bei den unter 30-Jährigen wählen bereits 42 Prozent Mobile Payment, fast gleichauf mit 45 Prozent, die eine physische Karte bevorzugen. Der EHI bestätigt die Dynamik: Mobile Payment macht 2025 bereits 19,3 Prozent der bargeldlosen Zahlungen im deutschen Einzelhandel aus, 2024 waren es 12,8 Prozent.
77 Prozent der Befragten erwarten laut Allensbach-Studie, dass die girocard bis 2030 das meistgenutzte Zahlungsmittel bleibt. Für Vending-Betreiber folgt daraus: Kontaktlos-fähige Terminals, die girocard, Kreditkarte und Mobile Payment unterstützen, sind keine Aufrüstungsoption mehr, sondern Voraussetzung für die meisten Standorte.

Vending in Europa: 85 Prozent bargeldlos ausgerüstet
Europaweit sind laut EVA Market Report 2025 bereits 85 Prozent der Pay-Vend-Automaten bargeldlos ausgerüstet, 2019 waren es erst 58 Prozent. Nur noch 15 Prozent sind reine Bargeld-Geräte. Von den bargeldlosen Systemen akzeptieren 65 Prozent offene Zahlungsformen (Karte, Smartphone, App), 35 Prozent setzen auf geschlossene Systeme (Firmenkarte, Chip-Schlüssel).
Das Vereinigte Königreich zeigt eine mögliche Entwicklungsrichtung: Laut EVA-Daten, erhoben auf Basis Nayax-ausgerüsteter Automaten und daher nicht repräsentativ für den Gesamtmarkt, sind dort bereits über 80 Prozent der Transaktionen bargeldlos (2017: 34 Prozent). 57 Prozent davon laufen per Smartphone. Bargeldlose Transaktionen erzielen in diesem Datensatz 90 Prozent höhere Warenkorbwerte als Barzahlungen.
Was Operators jetzt prüfen sollten
Terminalauswahl: girocard, EMV und TOPP
Für die meisten deutschen Standorte ist die girocard Pflicht, keine Kür. Sie ist die einzige Debitkarte in Europa mit integrierter Altersverifikation (16+/18+), relevant für Tabakwarenautomaten. Terminals ohne PIN-Pad (TOPP-Terminals) ermöglichen eine günstigere bargeldlose Aufrüstung, schließen aber PIN-Eingabe und damit bestimmte Transaktionstypen aus. Welche Terminalform passt, hängt vom Sortiment und Standort ab.
IDZ und BDV haben im Juni 2025 gemeinsam die Broschüre „Kartenzahlung am Automaten" veröffentlicht. Sie listet Terminaltypen, Zertifizierungsanforderungen und Einstiegsbedingungen für die Vending-Branche. Für Betreiber mit mehreren Standorten ist das der empfohlene Ausgangspunkt vor jeder Aufrüstungsentscheidung.
Marktvolumen und Erlöspotenzial

86 Prozent aller stationären Transaktionen in Deutschland finden laut Bundesbank an Orten statt, die Kartenzahlung akzeptieren. An Standorten, die ausschließlich Bargeld verlangen, fehlt diese Grundvoraussetzung. Der BDV-Vendingmarkt 2024 verzeichnete 4,62 Milliarden Euro Gesamtumsatz bei +18,7 Prozent Wachstum gegenüber 2023. Wer dieses Wachstum mitnehmen will, braucht an jedem Standort das Zahlungsmittel des Kunden, nicht das des Operators.
Die Terminalkosten für eine bargeldlose Nachrüstung sind je nach Gerätetyp, Protokoll und Dienstleister unterschiedlich und nicht öffentlich standardisiert. Operative Konditionen sind vertraglich zu klären.
Zahlungssouveränität als Auswahlkriterium
60 Prozent der Befragten halten den Zugang zu deutschen und europäischen Zahlungsalternativen für wichtig, ein Anstieg um 15 Prozentpunkte seit 2022. Operators, die heute auf offene Middleware setzen, die girocard, internationale Kreditkarte und App-Payment unterstützt, vermeiden spätere Systemwechsel, wenn sich Zahlungsstandards weiterentwickeln.
Einschätzung für die Praxis
47 zu 41: Dieser Zahlenstand wird sich nicht umkehren. Die strukturellen Treiber zeigen alle in dieselbe Richtung: Mobile-Payment-Nutzung stieg von 12 Prozent (2022) auf 25 Prozent (2025), bei unter 30-Jährigen schon bei 42 Prozent. Bargeld verlor in der Bundesbank-Studie allein von 2023 auf 2025 sechs Prozentpunkte.
Bargeld als ergänzende Option zu führen, nicht als Primärsystem, ist der strategische Schluss aus dieser Datenlage. Für Betreiber, die heute noch ausschließlich Münzeinwurf betreiben, ist der Handlungsbedarf durch drei unabhängige Studien belegt, nicht durch Branchenmarketing.
Letzte Aktualisierung: September 2026
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