Standortwahl & Aufstellung
Pfandrücknahme im Handel: freistehender Automat oder Backroom-System

Ein freistehender Rücknahmeautomat braucht 0,80 Quadratmeter, ein Backroom-System 5,5 bis 8. Zwischen diesen beiden Zahlen liegt die ganze Entscheidung, und sie fällt nicht nach Durchsatz, sondern nach dem, was hinter der Wand vorhanden ist.
Dieser Ratgeber rechnet vier konkrete Geräte gegeneinander, deren Datenblätter wir für unsere Testberichte ausgewertet haben. Alle Zahlen unten stehen so beim Hersteller; wo eine Angabe fehlt, sagen wir das.
Die vier Geräte in Zahlen
Freistehend, klein: die Sielaff SiCompact ECO. 0,80 Quadratmeter Stellfläche, einphasig mit 220 bis 230 Volt, maximal 1.500 Watt, Standby maximal 60 Watt. Die Gebindeerkennung ist hier kostenpflichtige Option — ohne sie ist das Gerät ein Sammelautomat mit Kompaktierung, aber ohne belastbare Pfandprüfung.
Freistehend, groß: die Sielaff SiCompact 2020. 1.350 mal 1.880 mal 1.130 Millimeter, rund 420 Kilogramm, 1,53 Quadratmeter. Bis zu 60 Gebinde pro Minute. Die kamerabasierte 360-Grad-Erkennung mit Präzisionswaagen ist serienmäßig. Anschluss: 400 Volt Drehstrom, 3L/N/PE, 50 Hertz, maximal 2.630 Watt, Standby 70 Watt. Gesammelt wird in halben Europaletten-Rollbehältern. Die XL-Ausführung misst 1.880 mal 1.880 mal 1.480 Millimeter bei rund 650 Kilogramm und maximal 4.000 Watt und nimmt zusätzlich Mehrweggebinde, Glas, Getränkekartons und Becher mit EAN-Code.
Backroom, kompakt: der TOMRA T9 mit EasyPac. 1.150 mal 4.800 mal 1.800 bis 1.940 Millimeter, Grundfläche 5,5 Quadratmeter, ein bis fünf Sammelschränke. Jeder weitere Schrank verlängert die Tiefe um 1.400 Millimeter.
Backroom, groß: der TOMRA T9 mit MultiPac. 1.600 mal 5.000 mal 1.800 bis 1.940 Millimeter, 8 Quadratmeter, zwei bis sieben Schränke, jeder weitere plus 1.000 Millimeter Tiefe. Diese Ausführung trägt zwei Rücknahmestationen auf einer Backroom-Einheit — zwei Kunden werfen gleichzeitig ein.
Beide TOMRA-Ausführungen nehmen bis zu 60 Gebinde und bis zu 21 Kästen pro Minute an, letzteres gebunden an das BC-Modell. Die Sammelkapazität gibt TOMRA je Behälter an: bis 1.500 PET-Flaschen kompaktiert, bis 6.000 Dosen kompaktiert, rund 2.000 bei einer 50-zu-50-Mischung im Mischbrecher, bis 400 Glasflaschen mit ausdrücklichem Hinweis auf eine Gewichtsbegrenzung. Elektrisch zweigeteilt: 400 Volt dreiphasig mit 16 Ampere für den Backroom, 230 Volt einphasig mit 10 Ampere für das Frontgerät.
Die Fläche, die im Datenblatt nicht steht
Die Quadratmeterangaben sind Nominalwerte für die abgebildete Konfiguration. TOMRA schreibt ausdrücklich, dass die Servicefläche nicht enthalten ist. Für die Planung heißt das: mehr vorsehen als in der Tabelle steht.
Bei den freistehenden Geräten ist die Fläche eine Verkaufsraumfläche und damit teuer. Bei den Backroom-Systemen ist sie Lagerfläche und billiger, aber sie muss überhaupt existieren — und zwar in einer Tiefe von 4,80 oder 5,00 Metern. Das ist der Punkt, an dem die Entscheidung meistens schon getroffen ist: Wer diesen Raum nicht hat, kann nicht.
Ein zweiter Wert fehlt in allen vier Datenblättern und gehört auf die Klärungsliste: die Bodentragfähigkeit. Bei rund 650 Kilogramm für die SiCompact 2020 XL plus gefüllten Rollbehältern ist das keine Formalie. TOMRA nennt für den T9 gar kein Gewicht.

Der Stromanschluss als Vorentscheidung
Hier trennt sich die Geräteklasse sauber, und die Folge ist ein Handwerkertermin.
Die SiCompact ECO läuft einphasig mit 220 bis 230 Volt und maximal 1.500 Watt. Dafür genügt eine gewöhnliche Steckdose mit eigener Sicherung.
Alles darüber verlangt Drehstrom: die SiCompact 2020 mit 400 Volt und maximal 2.630 Watt, die XL mit bis zu 4.000 Watt, der TOMRA T9 im Backroom mit 400 Volt und 16 Ampere. Ein Drehstromanschluss ist in einem Bestandsgebäude oft mehr als eine Leitung — er ist ein Bauprojekt.
Deshalb lautet die erste Prüfung nicht „welchen Durchsatz brauchen wir", sondern „was liegt an der Wand". Die Antwort entscheidet über die Baureihe, bevor irgendeine Ausstattungsfrage gestellt wird.
Zum Verbrauch lässt sich nur bei Sielaff rechnen. 70 Watt Standby ergeben bei Dauerbetrieb rund 613 Kilowattstunden im Jahr, gerechnet mit 29 bis 34 Cent je Kilowattstunde etwa 180 bis 210 Euro — bevor ein einziges Gebinde angenommen wurde. Bei der ECO liegt der Standby bei maximal 60 Watt, also rund 525 Kilowattstunden. TOMRA veröffentlicht in beiden Datenblättern keine Leistungsaufnahme in Watt, keinen Standby-Wert und keinen Jahresverbrauch; aus 16 Ampere bei 400 Volt lässt sich nur die Absicherung ableiten, nicht der Verbrauch.

Was welches Gerät annimmt
Diese Zeile entscheidet in Deutschland häufiger als der Durchsatz.
Die SiCompact 2020 in der Grundausführung nimmt Einweg-PET und Dosen — kein Glas, keine Mehrweggebinde. Erst die XL-Ausführung nimmt Mehrweg, Glas, Getränkekartons und Becher mit EAN-Code.
Der TOMRA T9 nimmt nach Datenblatt Dosen, Kunststoffflaschen, Glasflaschen und Kästen, die Kästen gebunden an das BC-Modell. Beim MultiPac hängen sie zusätzlich an der Tunnellänge: die kurze Variante nimmt keine Kästen, mittlerer oder langer Tunnel nimmt sie. Das EasyPac-Datenblatt führt gar keine Tunnelzeile, dort werden stattdessen die Ausrichtung und ein oder zwei Ziele je Schrank festgelegt.
Welche Fraktion in welchem Schrank landet, legt beim T9 die Bestückung fest: PET-Brecher, Dosenbrecher, Mischbrecher, Glasbrecher oder Glas-Drop. Das ist der eigentliche Planungsteil, und ein nachträglicher Wechsel ist Umbau, nicht Einstellung.
Für einen Vollsortimenter, der Mehrweg und Glas zurücknimmt — und das ist der Regelfall —, heißt das: die XL-Ausführung, das BC-Modell oder eine zweite Lösung daneben.
Was das Gesetz vom Gerät verlangt
Maßgeblich ist nicht die EU-Verordnung direkt, sondern das deutsche Verpackungsrecht-Durchführungsgesetz vom 13. Juli 2026. Sein § 46 legt das Pfand auf mindestens 0,25 Euro einschließlich Umsatzsteuer je Verpackung fest, erhoben auf allen Handelsstufen bis zum Endabnehmer. Zurückzunehmen ist unentgeltlich, am Ort der tatsächlichen Übergabe oder in dessen unmittelbarer Nähe, zu den geschäftsüblichen Öffnungszeiten. Ohne Rücknahme der Verpackung darf das Pfand nicht erstattet werden.
Der Satz, der die Gerätewahl entscheidet, steht in Absatz 2: Die Rücknahmepflicht beschränkt sich auf die Materialarten Glas, Metall, Papier, Pappe und Karton sowie Kunststoff einschließlich sämtlicher Verbundverpackungen, die der Betrieb in seinem Sortiment führt. Glas ist also nicht freiwillig. Wer Einwegglas verkauft, muss es zurücknehmen, und wenn das über ein Gerät laufen soll, fällt damit die Grundausführung der freistehenden Klasse aus.
Zwei Erleichterungen sind einschlägig. Unter 200 Quadratmetern Verkaufsfläche schrumpft die Pflicht auf die Marken im eigenen Sortiment statt auf alle Materialarten. Und beim Verkauf aus Automaten genügt es, die Rückgabe durch geeignete Möglichkeiten in zumutbarer Entfernung zum Verkaufsautomaten zu gewährleisten. Das Rücknahmegerät muss also nicht neben dem Verkaufsautomaten stehen.
Ausgenommen sind Verpackungen unter 0,1 und über 3,0 Liter, Getränkekartons als Block-, Giebel- oder Zylinderpackung sowie eine lange Getränkeliste: Sekt, Wein und weinähnliche Getränke mit mindestens 50 Prozent Anteil, alkoholsteuerpflichtige Erzeugnisse außer Alkopops, alkoholhaltige Mischgetränke ab 15 Prozent, Milch und Milchmischgetränke ab 50 Prozent Milchanteil, sonstige trinkbare Milcherzeugnisse wie Joghurt und Kefir, Fruchtsäfte und Gemüsesäfte, Fruchtnektare ohne Kohlensäure sowie Lebensmittel für besondere medizinische Zwecke. Fruchtsaft ist damit pfandfrei, Fruchtnektar mit Kohlensäure nicht, und dieser Unterschied läuft im Sortiment eines Vollsortimenters nebeneinander her.
Dazu kommt § 47, der nichts mit dem Gerät zu tun hat, aber zur selben Baustelle gehört: Einwegverpackungen brauchen in der Verkaufsstelle ein Schild mit dem Schriftzeichen EINWEG in unmittelbarer Nähe zur Ware, wiederverwendbare eines mit MEHRWEG. Gestalt und Schriftgröße müssen mindestens der Preisauszeichnung entsprechen.
Die Entscheidung in vier Fragen
- Liegt ein Backroom mit mindestens fünf Metern Tiefe hinter der gewünschten Wand? Wenn nein, ist die Frage entschieden: freistehend.
- Was liegt an der Wand? Ohne Drehstrom bleibt nur die kleine freistehende Klasse.
- Nehmen wir Mehrweg, Glas oder Kästen zurück? Dann XL-Ausführung, BC-Modell oder zwei Lösungen.
- Wie stoßartig ist der Rücknahmestrom? Bis 60 Gebinde pro Minute bieten die große freistehende und beide Backroom-Ausführungen; nur der MultiPac lässt zwei Kunden gleichzeitig einwerfen.
Wo überall der Preis fehlt
Für keines der vier Geräte veröffentlicht der Hersteller einen Preis, und wir haben auch keinen Händler mit einer belastbaren Preisangabe gefunden — anders als bei Getränkeautomaten derselben Marken, wo mehrere Fachhändler Listenpreise führen. Rücknahmetechnik dieser Größe ist Projektgeschäft mit dem Handel.
Sechs Positionen gehören deshalb getrennt ins Angebot:
- Die Elektrik, bei Backroom-Systemen zweigeteilt in 400 Volt für die Schränke und 230 Volt für das Frontgerät.
- Die Fläche mit Servicebereich, nicht die Nominalfläche aus dem Datenblatt.
- Die Bodentragfähigkeit, besonders bei den schweren Ausführungen.
- Die Konfiguration: Zahl und Bestückung der Schränke, Tunnellänge, Ausrichtung, Ausgabeseite.
- Die Anbindung an das Kassensystem. Ein Pfandbon, der an der eigenen Kasse nicht anerkannt wird, erzeugt genau die Diskussion, die der Automat vermeiden soll.
- Der Servicevertrag mit Reaktionszeit. Ein stehender Rücknahmeautomat bedeutet Handannahme an der Kasse und kostet unmittelbar Arbeitszeit.
Der Maßstab für die Rechnung ist nicht der Umsatz je Gerät. Die Rücknahmepflicht folgt aus § 46 des Verpackungsrecht-Durchführungsgesetzes und gilt in dem Umfang, in dem ein Händler selbst pfandpflichtige Einwegverpackungen im Sortiment führt — der Automat spart also keine Kosten ein, er ersetzt Arbeitszeit an der Kasse. Bei 60 Gebinden pro Minute ist dieser Hebel groß.
Häufige Fragen
- Wann lohnt sich ein Backroom-System gegenüber einem freistehenden Gerät?
- Wenn drei Bedingungen zusammenkommen: großer und stoßartiger Rücknahmestrom, Mehrweg in Kästen im Sortiment, und ein vorhandener Backroom mit mindestens fünf Metern Tiefe. Fehlt eine davon, zahlt man die Stärke des Systems, ohne sie zu nutzen. Der Flächenunterschied ist erheblich: 0,80 bis 1,53 Quadratmeter freistehend gegen 5,5 bis 8 im Backroom, jeweils ohne Servicefläche.
- Reicht für einen Rücknahmeautomaten eine normale Steckdose?
- Nur bei der kleinen Klasse. Die Sielaff SiCompact ECO läuft einphasig mit 220 bis 230 Volt und maximal 1.500 Watt. Die SiCompact 2020 verlangt 400 Volt Drehstrom bei maximal 2.630 Watt, die XL bis 4.000 Watt, der TOMRA T9 im Backroom 400 Volt mit 16 Ampere plus 230 Volt für das Frontgerät.
- Muss ein Rücknahmeautomat Glas annehmen?
- Der Betrieb muss es, wenn er Einwegglas im Sortiment führt. § 46 Absatz 2 des Verpackungsrecht-Durchführungsgesetzes nennt Glas ausdrücklich unter den Materialarten der Rücknahmepflicht, neben Metall, Papier, Pappe und Karton sowie Kunststoff samt Verbundverpackungen. Unter 200 Quadratmetern Verkaufsfläche verengt sich die Pflicht auf die Marken im eigenen Sortiment. Ob das Gerät Glas annimmt, ist damit keine reine Beschaffungsfrage: Wer die Rücknahme maschinell abbilden will, braucht ein Gerät mit Glasannahme, in der freistehenden Klasse erst die XL-Ausführung, im Backroom einen Glasbrecher oder ein Glas-Drop als Schrankbestückung.
- Wie viel Strom braucht so ein Gerät im Jahr?
- Belastbar rechnen lässt sich nur bei Sielaff, und zwar über den Standby: 70 Watt bei der SiCompact 2020 ergeben rund 613 Kilowattstunden im Jahr, bei 29 bis 34 Cent je Kilowattstunde etwa 180 bis 210 Euro. Bei der ECO sind es maximal 60 Watt, also rund 525 Kilowattstunden. Die Kompaktierung kommt obendrauf und hängt an der Menge. TOMRA veröffentlicht für den T9 keine Leistungsaufnahme, keinen Standby-Wert und keinen Jahresverbrauch — dort ist die Angabe vor der Bestellung einzufordern.
- Was kostet ein Rücknahmeautomat?
- Das können wir nicht beantworten, und wir nennen deshalb keine Zahl. Für keines der vier hier verglichenen Geräte veröffentlicht der Hersteller einen Preis, und wir haben keinen Händler mit einer belastbaren Preisangabe gefunden. Diese Geräteklasse ist Projektgeschäft; der Preis entsteht mit der Konfiguration.