Grundlagen & Erste Schritte

Pfandautomat aufstellen: Anforderungen, Kosten und Betriebshinweise für den Handel

di Alex EissingAggiornato 9 Min Lesezeit
Tomra Pfandrücknahmeautomat im Supermarkteingang

Das deutsche Einwegpfandsystem (DPG — Deutsche Pfandsystem GmbH) ist seit 2003 in Kraft und eines der effektivsten Mehrwegsysteme der Welt. Für den Handel bedeutet das: Wer Einwegpfandprodukte (Flaschen und Dosen mit dem Pfandlogo) verkauft, muss sie auch zurücknehmen — entweder manuell am Tresen oder automatisiert per Pfandautomat (Reverse Vending Machine, RVM). Dieser Ratgeber erklärt, wann ein Pfandautomat Pflicht ist, welche Modelle sich eignen und was Betreiber in der Praxis beachten müssen.

Wer ist zur Rücknahme verpflichtet?

Grundsätzlich sind alle Händler zur Rücknahme verpflichtet, die Einwegpfandprodukte verkaufen. Für kleinere Händler gibt es Erleichterungen: Wer weniger als 200 m² Verkaufsfläche hat und ausschließlich Eigenmarken verkauft, darf die Rücknahme auf genau die Produktarten beschränken, die er selbst anbietet. Für Händler ab 200 m² Fläche gilt die Universalpflicht: Alle Einwegpfandprodukte müssen zurückgenommen werden, unabhängig davon, ob der Händler die jeweilige Marke führt oder nicht.

  • Händler unter 200 m² Fläche: Rücknahme nur der eigenen Sortimentspfandprodukte.
  • Händler ab 200 m² Fläche: Universalpflicht — alle DPG-gekennzeichneten Einwegpfandprodukte.
  • Getränkehersteller: Müssen selbst oder über Partner ein Rücknahmesystem betreiben.
  • Online-Handel: Sonderpflichten — Lieferung mit Rücknahme oder Kooperation mit stationärem Händler.

Pfandautomat vs. manuelle Rücknahme

Die Alternative zum Pfandautomaten ist die manuelle Rücknahme durch Kassenpersonal. Das ist für Kleinhändler mit geringem Pfandaufkommen durchaus praktikabel — aber ab einem gewissen Volumen unwirtschaftlich. Ein Kassierer, der täglich 50 bis 100 Flaschen manuell entgegennimmt, prüft, in eine Kiste sortiert und erfasst, benötigt dafür 30 bis 60 Minuten täglich. Ein Pfandautomat übernimmt diese Aufgabe vollautomatisch, rund um die Uhr, ohne Personalkosten.

Ab ca. 100 Pfandrückgaben täglich rechnet sich in den meisten Fällen ein Pfandautomat — selbst wenn man die Anschaffungskosten und Wartung einrechnet. Supermarktketten und Getränkehändler mit hohem Pfandvolumen amortisieren die Investition häufig in 2 bis 3 Jahren.

Sielaff RVS 800 Pfandautomat im Eingangsbereich
Kompaktere RVM wie der Sielaff RVS 800 eignen sich für Händler mit mittlerem Pfandvolumen.

Welche Modelle eignen sich?

Die zwei wichtigsten Hersteller im deutschen Markt sind Tomra und Sielaff. Tomra ist mit Abstand der Marktführer — Geräte wie der T9 oder T7 sind in nahezu jedem größeren Supermarkt zu finden. Sielaff bietet mit der RVS-Linie kompaktere Alternativen für Händler mit geringerem Platzbedarf.

  • Tomra T9: Hochdurchsatz-RVM für Großverbraucher; bis zu 4.000 Behälter/Stunde; kompaktiere Verdichtereinheit; ideal für Supermärkte mit hohem Volumen.
  • Tomra T7: Mittelgroßes Gerät für Discounter und Fachhandel; 1.200–2.000 Behälter/Stunde.
  • Tomra M-1: Kompaktes Einzelgerät für kleinere Händler; gut geeignet wenn Platz begrenzt ist.
  • Sielaff RVS 800: Robuste deutsche Alternative; kompakter Footprint; gut für Getränkehändler und kleinere Supermärkte.

Kosten und Wirtschaftlichkeit

Neue Pfandautomaten kosten je nach Modell und Ausstattung zwischen 15.000 und 40.000 Euro. Gebrauchtgeräte sind ab 4.000 bis 8.000 Euro erhältlich, aber Altersverifizierung der Zertifizierungen und Softwareaktualität sind wichtige Prüfpunkte. Zusätzlich zur Hardware fallen an:

  • Wartungsvertrag: 500–2.000 EUR/Jahr je nach Hersteller und Modell
  • DPG-Registrierungsgebühr: einmalig + jährliche Gebühr (abhängig von Geräteklasse)
  • Strom: ca. 300–600 EUR/Jahr für Verdichter und Elektronik
  • Verdichter-/Ballenentsorgung: je nach Volumen und regionaler Entsorger-Logistik

Aufstellung und Betrieb

Der Pfandautomat muss für Kunden gut zugänglich sein — idealerweise im Eingangsbereich des Geschäfts, nicht in einem abgelegenen Lagerbereich. Das Gerät braucht einen Stromanschluss (380 V bei größeren Modellen) und Platz für die Verdichtereinheit oder Beutelsystem. Die Kassenanbindung (Integration in die POS-Software für direkten Pfandabzug an der Kasse) ist bei modernen Systemen per API möglich und spart Papierbons.

  1. DPG-Zertifizierung des gewählten Geräts prüfen.
  2. Aufstellort mit ausreichend Platz und Stromanschluss wählen.
  3. Kassenanbindung einrichten (direkter Pfandabzug statt Bon).
  4. Wartungsvertrag abschließen und Servicekontakt hinterlegen.
  5. Mitarbeitende auf Fehlerbehebung und Papierwechsel schulen.
  6. Regelmäßige Leerung der Behältersammelbehälter planen.

Domande frequenti

Muss ich einen Pfandautomaten aufstellen oder reicht manuelle Rücknahme?
Das Gesetz schreibt keine Automatenpflicht vor — manuelle Rücknahme ist zulässig. Für Händler ab ca. 100 Pfandrückgaben täglich ist ein Automat aber wirtschaftlich sinnvoll, da er Personalkosten spart und rund um die Uhr verfügbar ist.
Was kostet ein neuer Pfandautomat?
Neue Geräte kosten je nach Modell und Hersteller 15.000 bis 40.000 Euro. Gebrauchtgeräte sind ab 4.000 Euro erhältlich, aber DPG-Zertifizierung und Ersatzteil-Verfügbarkeit müssen geprüft werden.
Welche Hersteller sind in Deutschland marktführend?
Tomra ist mit Abstand der führende Hersteller — die T-Serie (T7, T9) ist in den meisten großen Supermärkten verbaut. Sielaff ist eine solide deutsche Alternative, besonders bei kleineren Geräten (RVS-Linie).
Darf ich jeden Pfandautomaten kaufen oder gibt es Zertifizierungspflicht?
Pfandautomaten für das DPG-System müssen von der DPG zugelassen sein. Nicht zertifizierte Geräte dürfen nicht zur offiziellen Pfandrücknahme eingesetzt werden. Beim Kauf immer die aktuelle Zertifizierungsliste der DPG prüfen.

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